Eine Branche stellt sich den Herausforderungen - Teil 1

    Die Geschichte von Bettenrid geht bis in das Jahr 1916 zurück. Es ist wohl eines der bekanntesten Bettenfachgeschäfte in Bayern, das sich der hochwertigen Markenwaren verschrieben hat. Aber die Veränderungen im Einzelhandel machen auch vor einem solchen Traditionsunternehmen nicht Halt. Wie sich das Unternehmen fit für die Zukunft macht, darüber sprach Bianca Schmidt, stellv. Chefredakteurin MÖBELMARKT, mit Robert Waloßek, Geschäftsführer von Bettenrid.

    Vorab ein paar Worte zu Bettenrid. 1916 gründete die Großmutter des inzwischen verstorbenen letzten Inhabers Günther Rid, Rosa Zaininger, ein Bettenfachgeschäft. 1929 übernahm ihre Tochter Hedwig Rid das Unternehmen und erkannte, dass der Verkauf alleine den Erfolg nicht sichert und baute den Kundendienst aus. Belegen lässt sich das anhand alter Inventarlisten, die ein Fahrrad mit Transport-Gepäckständer und eine handbetriebene Bettfederreinigungsmaschine aufweist.

    Auch heute noch ist Bettenrid eines der wenigen Unternehmen, das Bettfedern reinigt – mit wieder zunehmender Beliebtheit.

    Nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem das Geschäftslokal vollständig zerstört worden war, erfolgte 1949 ein Neubeginn auf 100 qm. Zeitgleich trat Hedwig Rids Sohn Günther Rid in das Unternehmen ein. Im Laufe der Jahre erfolgte die Eröffnung einer ersten Filiale in München in der Neuhauser Straße, die auch heute noch existiert, und einer zweiten in der Theatinerstraße im Herzen Münchens sowie der Komplettumbau des Haupthauses in der Sonnenstraße.

    Heute stehen in der Neuhauser Straße 1.400 qm und in der Theatinerstraße 2.000 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung.

    1989 ging man erstmals über die Grenzen Bayerns hinaus, nach Frankfurt. Dort betreibt man noch heute eine 1.400 qm große Filiale, die allerdings in diesem Jahr an einen neuen Standort wechselt.

    Nach dem Tod von Günther Rid im Jahr 1992 wurde das Unternehmen von einem Familienunternehmen zu einer managementgeführten GmbH. Deren alleiniger Gesellschafter ist die gemeinnützige Stiftung, die den mittelständischen bayerischen Einzelhandel fördert.

    Seit Juli 2012 ist Robert Waloßek Geschäftsführer von Bettenrid. Er hat umfangreiche Erfahrungen im Einzelhandel, unter anderem bei Ludwig Beck, Oberpollinger und Breuninger Stuttgart, gesammelt und führt nun Bettenrid in ein neues Zeitalter.

    MM: Herr Waloßek, in zwei Jahren feiert Bettenrid sein 100-jähriges Firmenjubiläum. Gibt es einen roten Faden, der sich durch die fast 100 Jahre zieht?

    Waloßek:

    Hier passt am besten der Leitspruch von Leitspruch von Dr. Günther Rid: „Nicht einfach nur gut sein, sondern zu den Besten gehören“. Er hatte das verinnerlicht und stets Innovationen in das Unternehmen gebracht – vor allen Dingen bezogen auf Produkte und Service. Damals schon hat er auf maßgeschneiderte Lösungen gesetzt. Also, weg von der Masse, hin zur Klasse. Das hat sich all die Jahre nicht verändert und darauf werden wir auch in Zukunft noch stärker eingehen. Das bedingt natürlich, dass man an jeder Stelle hinterfragt, wie man dem Kundenwunsch gerecht werden kann.

    MM: Wie lautet der Markenkern von Bettenrid?

    Waloßek:

    Unsere Markenbotschaft lautet: „Ihr Schlaf in besten Händen“. Wir sind der Fachhändler zum Thema Schlaf. Das ist unser Schwerpunkt und wird es auch bleiben – immer begleitet von einem umfassenden Service. Bei dem werden wir auch weiter aufrüsten.

    MM: Sie unterziehen Bettenrid gerade einer umfassenden Veränderung. Wie sieht diese aus?

    Waloßek:

    Hier arbeiten wir an vielen Stellen. Im vergangenen Jahr haben wir das gesamte Corporate Design (CD) überarbeitet. Wir zeigen uns moderner und hochwertiger. Zu einem großen Teil wurde das auch schon umgesetzt. So bauen wir gerade unsere Filiale in der Neuhauser Straße in München um. Auch in Frankfurt werden wir das neue CD umsetzen, denn hier haben wir die Möglichkeit, einen komplett neuen Standort zu beziehen. Dieser wird in einer 1A-Lage in der Kaiserstraße sein. Diese beiden Geschäfte liegen momentan im Fokus und im Anschluss daran werden wir dann mit der Theatinerstraße in München nachziehen. Hingegen schließen werden wir das Geschäft in den Riem Arcaden in München. Wir erreichen dort nicht den Kunden, den wir ansprechen wollen. In einem solchen Einkaufszentrum geht es immer stärker in Richtung der vertikalen Anbieter und einer günstigeren Preisgestaltung. Das können und wollen wir nicht bieten. Zum anderen ist die Fläche dort auch zu gering, um das darzustellen, was wir können. Wir haben deshalb den Mietvertrag nicht verlängert.

    MM: Sie haben aber auch am Sortiment und der Präsentation gearbeitet.

    Waloßek:

    Richtig, wir haben im vergangenen Jahr unsere Zielgruppen neu definiert und auch unseren Einkauf darauf eingestellt. Entsprechend den Zielgruppen werden wir auch die Präsentationen in den Filialen ausrichten.
    Dabei wollen wir den Kunden ein individuelles Einkaufserlebnis bieten.

    MM: Die Veränderungen sind schon „Ihr Schlaf in besten Händen“ sehr umfassend. Sie betonen dabei immer wieder, dass Sie diese behutsam vornehmen. Was meinen Sie damit?

    Waloßek:

    Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Die Altersstruktur unserer Stammkunden ist relativ hoch. Es ist aber auch so, dass diese in der Zwischen ihre Kinder mitbringen und sich diese ebenfalls zu Stammkunden entwickeln. Viele meinen nun, wir müssten unser Sortiment radikal verändern und uns nur noch auf die jüngeren Zielgruppen konzentrieren. Das wäre aber genau der falsche Weg. Wir müssen unser Sortiment behutsam anpassen, um unsere bisherige Klientel zu halten, aber auch die neuen Kunden mit einer anderen Art der Präsentation und mit einer anderen Art des Services anzusprechen.

    MM: Das Internet wird oftmals als der „Tod des Fachhandels“ bezeichnet. Bei Bettenrid lag 2010 der strategische Schwerpunkt auf der Ausrichtung des Unternehmen hin zu einem Multichannel-Anbieter. Ist das heutzutage der einzige Weg, langfristig am Markt bestehen zu können?

    Waloßek:

    Eine solche Ausrichtung hin zu einem Multichannel-Anbieter ist schon alleine durch das sich verändernde Kundenverhalten bedingt. Ich glaube, dass wir erst am Anfang dieser Veränderung stehen. Das ganze Ausmaß können wir uns noch gar nicht vorstellen. Wir als Fachhändler müssen uns letztendlich als Multichannel-Anbieter sehen und das auch als Schaufenster nach außen betrachten. Heute schauen rund 30% der Kunden im Internet und kommen dann in den Laden. Ich bin mir sicher, dass sich das in den kommenden Jahren auf 50 bis 70% steigern wird. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, Produkte im Internet zu zeigen.

    MM: Wie weit sind Sie auf Ihrem Weg zum Multichannel-Anbieter?

    Waloßek:

    Wir haben schon ein gutes Stück des Weges geschafft, allerdings werden wir auch hier einige Veränderungen vornehmen. Bei den Produkten im Online-Shop muss man entscheiden zwischen solchen, die sich einfach online verkaufen lassen, wie zum Beispiel Bettwäsche, und solchen, die eher Beratung bedürfen, wie ein Bett. Letztere kann man schon einmal zeigen und dann auf das stationäre Geschäft verweisen. Wir werden den Shop bzw. das Angebot im Shop soweit verändern, dass das Kernsortiment, das wir in den Häusern haben, auch im Internet zu finden ist. Darüber hinaus wird es ein Ergänzungssortiment geben, das nur offline erhältlich ist. Das ist dann aber klar ersichtlich. Auch das Thema Maßkonfektion wollen wir zukünftig online anbieten – darauf setzen wir ja in den Häusern sehr stark. Daran arbeiten wir gerade. Ich könnte mir zum Beispiel auch einen Bettenrid-Konfigurator vorstellen. Das sind für mich alles Wege, um sich eindeutig zu positionieren und das Thema Multichannel mit Leben zu füllen.

    MM: Bei den bisher angegebenen Lieferzeit scheint mir auch noch Spielraum zu sein.

    Waloßek:

    Das ist richtig. Internet heißt man muss schnell liefern. Das machen uns die Großen vor. Wir werden deshalb unsere Läger, die wir momentan noch in den einzelnen Häusern haben, ab Mai zu einem Zentrallager zusammenfassen. Damit nimmt die Geschwindigkeit deutlich zu. Darauf werden wir auch unseren Einkauf einstellen, der gerade das Kernsortiment noch tiefer einkauft.

    Grundsätzlich müssen auch die Prozesse optimiert werden, denn diese sind entscheidend für die Geschwindigkeit. Hier werden wir ein neues Warenwirtschaftsystem einführen, das für uns bahnbrechend ist.

    Viel Inspiration geben die geschmackvollen Präsentationen. Zukünftig wird
    Bettenrid noch mehr in Themenwelten präsentieren.

    -Ihr Schlaf in besten Händen- lautet die Markenbotschaft von Bettenrid. Dabei
    steht die Individualität des Kunden stets im Vordergrund.

    Pressemitteilung Möbelmarkt vom März 2014

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